Warum der Genieblog kein Selfhelp Blog mehr ist

Intro

Lieber Leser,
Ich freu mich wirklich, dass du hier gelandet bist. Vielleicht hast du ja bemerkt, dass ich seit Anfang des Jahres keine neuen Artikel mehr veröffentlicht habe? Ich habe ne Pause vom Genieblog gemacht, weil ich keinen Bock mehr drauf hatte. Die Beweggründe für die Pause werde ich an anderer Stelle nochmal genauer ausführen (und den Link hier einfügen).

Heute will ich mit dir teilen, warum ich mich dazu entschieden habe, offiziell keinen Selfhelp Blog mehr zu führen. Was das genau ist und warum ich mich dagegen entscheide, erkläre ich dir deshalb im folgenden Artikel:

Kurz: Was ist ein Selfhelp Blog?

Unter dem Begriff ‚Selfhelp‘ verstehe ich Wissen, nützliches Wissen, welches dafür gesammelt und zur Verfügung gestellt wurde, um dem einzelnen Menschen Anregungen zu geben, wie er selbstständig an sich und seinem Leben arbeiten kann, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Diese Ziele können beinhalten: Glücklich sein, Erfolg im Beruf, Erfolg/Glück in der Liebe, mehr Gesundheit und eine ganze Reihe nicht fassbarer, mentaler Zustände wie Selbstvertrauen, Mut, Selbstbewusstsein, Achtsamkeit, Motivation, Inspiration.

Das Medium für Selfhelp Inhalte ist meist das Buch. Es steht klassischerweise in der Esoterik oder Selbsthilfe Ecke des Buchhändlers deines Vertrauens. Weitere Medien sind Hör-CDs, MP3s, Podcasts, DVDs, Youtube Videos, E-Books und dementsprechend natürlich auch Blogs.

Ein Selfhelp Blog ist also ein Medium, auf dem regelmäßig nützliche, wissenswerte, anregende und das Leben des Lesers bereichernde, wenn angewendet sogar verbessernde Inhalte veröffentlicht werden. Der Selfhelp Blogger selbst ist bemüht, stets interessante und neue Inhalte zu finden und zu veröffentlichen.

5 Gründe gegen einen Selfhelp Blog

Zu Beginn möchte ich anmerken: Diese Gründe sind meine Gründe, also völlig subjektiv und hauptsächlich für mich zutreffend. Andere Blogger könnten in meinen Gegenargumenten gerade etwa ihre positiven Beweggründe für ihren Blog entdecken und mir widersprechen. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Grund Nr. 1: Ich weiß es nicht besser.

Dude, was geht ab in deinem Leben? Achso. Ja, hier habe ich zwei bis fünf Vorschläge für dich, wie du dein Leben umkrempeln und verbessern könntest. Kennst du solche Gespräche?

Ich schon. Meistens sind die Vorschläge und Ideen sehr oberflächlich. Ab und zu jedoch basieren sie auf eigener Lebenserfahrung, dann finde ich sie cool. Doch trotzdem kann das, was bei mir funktioniert hatte, bei dir ganz andere Ergebnisse erzielen.

Deshalb finde ich: Anregungen und Ideen liefern? Cool. Lebenslektionen verbreiten und die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, sodass man sie jedem ins Gesicht kotzen muss: Mh, lass mal lieber sein.

Ich weiß nicht alles besser und ich will nicht, dass jemand auf die Idee kommt, dass ich es besser wüsste.

Grund Nr. 2: Ich könnte mir widersprechen.

Einhergehend mit dem ersten Grund, dass ich es nicht besser wüsste. Heute denke ich anders, als ich Morgen denken werde. Es ist schön, dass ich diese Entwicklung auf meinem Blog spiegeln kann. Es ist kacke, wenn ich jedoch Weisheit als ‚Produkt‘ an den Leser bringen will und diese ‚Weisheit‘ ein Ablaufdatum hat.

Grund Nr. 3: Der Druck, Wissen und Weisheit liefern zu müssen.

Tatsächlich habe ich immer wieder gefühlt, wie ich mich selber unter Druck gesetzt hatte. Ich wollte neuen Content raushauen und hatte in letzter Zeit gar keine Erkenntnisse gewonnen. Alles war wie immer. Statt darüber zu schreiben, dass mein Leben gerade gleich geblieben ist, oder gar langweilig sei, habe ich nach neuen Ideen gesucht. Das ist für mich der Anfang vom Ende, denn sobald ich äußerliche Informationen suche und einfach nur umschreibe, spreche ich ja nicht mehr aus Erfahrung. Dann bin ich wie Dr. Sommer oder die Men’s Health Top 10 Listen (für einen geilen Körper, für den besten Flirt, für besseren Sex…).

Grund Nr. 4: Das Marketing, das Image und das Hamsterrad.

Ja, ich habe mir ein eigenes Hamsterrad gebaut. Und das obwohl in der Selfhelp-Szene ja ständig davon gesprochen wird, das Hamsterrad des 9-5 Jobs zu verlassen, selbstständig zu werden und damit seinen Lebenssinn zu finden. Wie kam’s dazu?

Ich kam auf die Idee, dass ich mit dem Blog ja auch ’nebenbei‘ Geld verdienen kann. Irgendwann lies ich mir Texte zu Marketing durch. Ich verstand, dass ich ein Blog-Image brauchte, damit der Leser ‚hängen bleibt‘ und direkt weiß, was er auf meinem Blog geliefert bekommt. Passend dazu brauchte ich also auch das richtige Marketing, nur über welche Kanäle? Facebook, Twitter, Instagram, Email Newsletter, Gast-Beiträge, Youtube? Das sind ziemlich viele Kanäle. Ach, jetzt wo ich alles festgelegt habe, brauche ich ja den passenden Inhalt zum Image / Marketing. Merkst du, wo das Problem liegt? Meine Inhalte mussten sich dem Image unterordnen und nicht umgekehrt. Keine gute Idee für meinen Blog.

Was ist mit dem Hamsterrad? Nun, wenn du ein Image hast und das richtige Marketing betreibst, brauchst du neue Inhalte auf dem Blog und natürlich auch auf den Marketing-Kanälen. Also los geht’s mit der ständigen Suche nach neuen Tipps, Tricks, Inspirationen, Ideen und ‚dem neusten Geheimtipp für ein glückliches Leben‘, tzz. Nein, danke.

Grund Nr. 5: Die Selfhelp Szene, die sich selbst in den Arsch kriecht.

Klingt ein bisschen harsch, oder? Nun, das ‚Problem‘ in unserer deutschen Selfhelp Szene ist, dass sie im Vergleich zum englischsprachigen Pendant ziemlich klein ist. Wir als Blogger möchten uns gegenseitig helfen und das finde ich mega gut. Aber gleichzeitig führt das dazu, dass du als Blogger a) ständig andere Blogs liest (Zeitfresser), b) ständig unter anderen Blogartikeln deine Kommentare abgibst (auch aus reinen Marketingzwecken, buuh) und c) meistens nur in Kontakt mit anderen Bloggern, aber weniger mit deinen Lesern kommst. Natürlich ist das nur meine Erfahrung.

Ich habe auch einige Lesermails oder Leserkommentare bekommen. Tatsächlich freute ich mich über diese deutlich stärker, weil ich sie für wahrhaftiger und ehrlicher hielt. Wenn jemand sich bei mir meldet und mir seine Gedanken mitteilt, der nicht im Anhang noch seinen Blog bewirbt, denke ich mir: Geil, ich habe einen Menschen beeinflusst – und ich hoffe im positiven Sinn.

Auch durch den Kontakt mit anderen Bloggern konnte ich tolle Menschen kennen lernen und neue Sachen lernen. Aber, um auf das Hamsterrad zu sprechen zu kommen, habe ich auch erleben müssen, wie der Marketing-Gedanke immer wieder in diese zwischenmenschlichen Kontakte einschlich. Diese undefinierte Mischung aus ‚wir verstehen uns gut‘ und ‚lass mal Business machen‘ fand ich irgendwann echt verwirrend. Heute denke ich, dass dieser Mix in manchen Situationen sogar ziemlich förderlich sein kann. Aber das liegt daran, dass ich das ganze Thema für Monate auf Eis gelegt habe, es also von Außen betrachten kann, und mich gerade auch nicht dazu genötigt sehe, irgendwas schnell auf die Beine stellen zu müssen.

Kurz gesagt: Auch andere Blogger können tolle Menschen sein <3

Alles in Allem

Zusammengefasst sehe ich in diesen 5 Gründen deutlich aufgelistet, warum mir das Bloggen keinen Spaß mehr bereitet hat. Als ich meine Blogpause eingelegt habe, wusste ich das nicht so deutlich wie heute. Damals war es der Frust, der mich so entscheiden lies. Doch in der Retrospektive kristallisierten sich diese 5 Gründe deutlich heraus. Doch was kommt jetzt?

Wofür steht der Genieblog heute?

Kreativer Output. Ich hab keinen festen Plan, worüber ich schreiben will und werde. Das ist schön, weil ich mich so überhaupt nicht von der Form begrenzen lasse. Ich kann Videos oder Audios aufnehmen, Malen und die Bilder einscannen oder was immer mir in den Sinn kommt. Nur die Technik limitiert mich, aber die ist heute ja sehr ausdehnbar.

Welche Inhalte beschäftigen mich? Ja, das sieht man dann wie auf einem Zeitstrahl in den Titeln meiner Beiträge. Schöner Gedanke, so ein Zeitstrahl, der meinen Fokus widerspiegelt. Deshalb kann das wirklich alles sein: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur (Musik, Filme, Serien, Bücher), Philosophie, Soziologie, Psychologie.

Was ist mit ‚Weisheit‘ und ’nützlichem‘ Wissen? Klar, denke ich mir manchmal auch: Wow, das war eine heftige Erfahrung. Da ist mir persönlich ne Lampe angegangen. Dann will ich auch darüber schreiben. Aber die Form soll anders sein: Nicht mehr die objektivierte und verallgemeinerte Form einer ‚Lehre‘ oder ‚universellen Weisheit‘. Vor allem nicht, weil das ja meist nur eine Erfahrung ist, die in mir das Gefühl der Erkenntnis auslöst.

Stattdessen werde ich berichten, also persönlich beschreiben, was ich erlebt habe. Wie ein Tagebuch, nur für die ganze Welt. Das wär schön, wenn der Leser sich mit mir freuen könnte, statt mich als Guru zu betrachten. Wenn ich ihn erfreue, inspiriere oder nachdenklich mache, dann nehme ich das gerne an. Aber die Entscheidung, wie es wirken soll, leg ich ganz in die Hand des Lesers. Denn die Form, den Aufbau und die Aussagen gestalte ich nicht nach meinem Publikum, sondern nach meinen eigenen Vorlieben. Auch schön, weil ich so meine Vorlieben bewusster kennen lerne.

Outro

Heute ist der Sonntag, der 22.11.2015 und es ist 22:32 Uhr.
Dieser Text repräsentiert meine Einstellung zum Genieblog in genau diesem Zeitpunkt. Was sonst? Ich will, dass du lieber Leser, das immer in Betracht ziehst, wenn du kannst. Denn vielleicht denke ich in einem Monat schon wieder ganz anders. Wenn wir beide Glück haben, dann werde ich es dich wissen lassen.

Tatsächlich hat es sich so ergeben, dass dieser Artikel der erste Artikel seit meiner Blogpause geworden ist. Ich habe also keine Ahnung, wie die nächsten Artikel sein werden. Aber ich freue mich darauf.

Beste Grüße aus Bielefeld
Micha

Continue Reading