Tu’s nicht ohne Liebe

“Ich habe keine Disziplin der Kunst, wie du deine Musik, mit welcher ich mich nach außen hin profilieren kann, weil ich es so gut beherrsche.” sprach ich zu ihr, nachdem sie mir ihren Facebook Band Fanpage Link geschickt hatte und darum bat, dass ich die Seite like.

Sie meinte nur kurz und knapp: Versuch’s doch mal mit malen.
Aber warum denn nicht? Warum muss ich denn stets und immer versuchen, etwas zur Exzellenz und Perfektion hin zu beherrschen, nur damit ich der Welt zeigen kann, dass ich mich dazu getrieben und gezwungen habe, es lang genug zu üben, dass es ihren Standards genügte? Wieso der Zwang und die Bedürftigkeit? Warum sollte ich es nicht mal mit Malen versuchen? Genau, eine neue Disziplin, welche ich bisher fast gar nicht beherrsche. Aber warum auch nicht? Ich meine: Ich kann etwas rappen, ich kann etwas schreiben, ich kann ganz bisschen Fotografieren, ich kann etwas Klavier spielen, ich kann ganz etwas Spanisch, ich hab ein Buch angefangen. Aber ich habe noch nichts gemalt? Ey, nur aus Zwang zur Perfektion und dem Bedürfnis nach Anerkennung sollte ich mir eine neue, tolle Erfahrung vorenthalten? So ein Quatsch! Das wäre doch kein Leben mehr!

Ich kann stolz sein auf meine unfertigen Projekte. Ich kann stolz drauf sein, was ich schon alles ausprobiert habe. Ich kann stolz drauf sein, dass ich mich aus Verzweiflung nicht an einzelne Disziplinen kralle, sondern frei auswählen kann, wonach mir ist.

Mein Perspektivenwechsel in Bezug auf das Leben im Wohlstand

Sunrise Over the Grand Floridian

Was hält mich davon ab, ein reicher Mann zu sein?

Viele Jahre habe ich Reichtum als etwas negatives angesehen. Nicht unbedingt, weil ich mich als Bonze bezeichnet hätte, sondern weil ich im Glauben war, dass Materialismus und Reichtum nicht zum Glück führen, sondern mich schlimmstenfalls sogar davon ablenken könnten, den Moment selbst zu genießen und mich stattdessen in einer Konsumsucht zu verrennen. Natürlich sehe ich heute ein, dass das eine sehr eingeschränkte Perspektive auf Wohlstand ist. In den letzten Monaten habe ich mich und meine Glaubenssätze, also die Gedanken die ich täglich über die verschiedensten Themen denke, radikal verändert. Ich wurde positiver. Ich gebe mir Mühe, stets die positiven Aspekte hervorzuheben und meine Emotionen auf einer höheren Ebene zu halten. Kurz: Die Situation so sehen, dass ich mich besser fühle und viel eher auf Lösungen komme.

Viele Lebensbereiche haben einen Aufstieg meiner Glaubenssätze und Emotionen in positive Level erlebt, bloß beim Thema Geld verblieb ich relativ konstant auf einer Ebene. Das habe ich gar nicht mal bewusst getan, aber die alten Gewohnheiten über Reichtum zu denken waren so tief verankert, dass ich sie bewusst gar nicht wahrnahm und gleichzeitig zu wenig tat, um meinem Unterbewusstsein neue Glaubenssätze vorzustellen.

Jetzt habe ich jedoch gestern, nach guten Gesprächen mit Freunden und sehr guter Laune, eine neue Einsicht erlangen können. Mir wurde klar, wie ich mir das Leben als reicher Mensch vorstellte und mit was für negativen Gefühlen ich es verbinde. Mein Hirn ist klug genug, um mich davor zu bewahren, Dinge zu erreichen, die mich im Endeffekt unglücklich machen würden! Dafür bin ich dankbar! Doch hat es in diesem Fall keinen Sinn gemacht, weil meine Ängste und Befürchtungen total banal sind und nicht meiner neuen Realität entsprechen.

Nur Eines ist sicher – dein Tod

Heute schickte mir mein guter Freund Raúl folgenden Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel (Danke dafür):

Ein Kolumbianer hat während eines Telefongesprächs den Tod seiner Freundin an Bord eines Busses, der von einer Schlammlawine in einen Fluss gerissenen wurde, mitverfolgen müssen. “Sie sagte mir, dass die Wassermassen immer höher kämen und den Bus mitreißen würden. Sie schrie noch: ‘Mein Geliebter, ich liebe Dich’”, dann sei die Telefonverbindung abgerissen, zitierte die Zeitung “El Tiempo” den jungen Polizisten José Gómez Pinzón. Der 19-Jährige wartete verzweifelt vor dem Krankenhaus der Stadt Manizales, um seine Freundin, die 18-jährige Studentin Lizeth Hernández Ortiz, zu identifizieren.
Diese Frau ist heute Tod. Sie wusste am Tag zuvor nicht, dass sie sterben würde. Genauso wissen wir nicht, ob wir Morgen den Tag überleben werden. Dies soll uns keine Angst machen, sondern eher darauf aufmerksam werden lassen, wie wir unseren heutigen Tag verbringen. Genießen wir unsere Zeit oder hetzen wir uns für die Zukunft ab? Was sind unsere Prioritäten?
Dieser Frau brachte es nichts, dass sie einen zukunftssicheren Job hatte. Dieser Frau brachte es nichts, dass ihre Nachbarn sie für eine ehrliche, gütige und höfliche Frau hielten. Dieser Frau brachte es nichts, dass sie es ihren Eltern recht machen konnte. Sie ist alleine gestorben, hat ihren letzten Moment zwischen den anderen Bus Insassen mit sich selber verbracht und auf ihr Leben zurück geschaut. Wir werden nie wissen, was sie gefühlt hat. Vielleicht war sie stolz darauf, bis zum letzten Moment ein gutes Bild abgegeben zu haben. Vielleicht war sie glücklich darüber, was sie in ihrem Leben bereits erreicht hatte. Ich wünsche es ihr aus ganzem Herzen.
Doch wären wir selbst auch glücklich über das Leben, welches wir gerade führen? Oder würden wir es bereuen, etwas nicht getan zu haben? Nicht anders gelebt zu haben? Diese Frage sollte sich jeder von uns stellen. Wer sich sicher ist, dass er zufrieden sterben würde, tut alles richtig. Doch wer daran zweifelt, verpasst möglicherweise sein wahres Leben.
Im Angesicht des Todes werden alle Entscheidungen auf ihre Essenz reduziert. Alle Vor- und Nachteile werden auf ein Minimum reduziert und gleichgestellt. Es zählt nur noch, was einen im Nachhinein am meisten glücklich machte. Es zählt nur noch das Erlebte selbst.
Deshalb möchte ich heute darüber nachdenken, ob ich Morgen im Angesicht des Todes zufrieden mit meiner aktuellen Lebensweise wäre. Fällt mir etwas besseres ein, werde ich etwas ändern.

Wirst du etwas ändern?